Ford Capri - Alles über das legendäre Sportcoupé
![]() |
ISBN 978-3-7654-7716-4 GeraMond Verlag München, 2009 |
Mit keinem anderen Ford Fahrzeug verbindet man Rennsporterfolge so sehr wie mit dem Ford Capri - noch nicht einmal mit dem Ford GT40 und seinen legendären Siegen bei den 24-Stunden-Rennen Mitte der 60er Jahre in Monza.
Dabei war der erste "Europa-Ford" wie ihn der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Ausgabe vom 23. Januar 1969 nannte, keineswegs das erste Auto, das Ford unter dem Namen Capri auf den Markt brachte. Schon Anfang der 60er Jahre wartete Ford of Britain mit einem wunderschönen Kleinwagen gleichen Namens auf, der aber schon bald darauf in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Umso erstaunlicher ist es, dass dann einige Jahre später erneut ein Fahrzeug unter der Bezeichnung "Capri" auf den Markt kam.
Ford hatte sich bei der Namensgebung ziemlich schwer getan. Zwanzig verschiedene Vorschläge soll es gegeben haben. Darunter Puma, Husar und Colt. Letzter schien lange eine Favoritenrolle einzunehmen, denn im September 1968, also zwei Monate, bevor die ersten Capri vom Band liefen und vier Monate vor der offiziellen Einführung, war in internen Marktforschungspapieren immer noch vom Colt die Rede. Doch dann stellte Ford fest, dass der Name Colt bereits durch Mitsubishi geschützt war. Henry Ford persönlich soll es gewesen sein, der bei einem seiner Köln-Besuche den Namen Capri ins Spiel brachte - im englischen mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Der Grund für seine Wahl waren die schönen Erinnerungen, die er an seine Aufenthalte auf der Insel im Mittelmeer hatte. Außerdem gab es schon einige Ford Modelle, die den Namen Capri trugen – auch wenn es lediglich ein Zusatzname war. Ford reagierte schnell. Schon Anfang Dezember war in einer internen Mitteilung vom Capri die Rede. Nun musste man sich nicht mehr mit den Namensrechten für das neue Modell auseinandersetzen.
Letztlich ist der Capri zu einem Riesenerfolg für Ford Deutschland und Ford England geworden, wo das Fahrzeug anfangs entwickelt wurde. Dabei ist die Tatsache bemerkenswert, dass der Capri ursprünglich nur für England und nicht für Deutschland geplant war. Als es Mitte der sechziger Jahre in der britischen Ford Stilistik in Dagenham bereits Tonmodelle des neuen Fahrzeugs gab, hatte Ford Deutschland noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung, was da auf der Insel vor sich ging. In Dagenham arbeiteten amerikanische und britische Ford Leute am neuen Produkt. Schnell wurde ein Produktionsmanager aus Köln nach England entsandt, der den Gerüchten nachgehen und sich die Sache einmal aus nächster Nähe anschauen sollte.
Kurz darauf schickte Ford of Britain Tonmodelle des neuen Capri nach Deutschland. Hier wurde das Modell "feasible" gemacht – also passend, marktfähig. In Köln fanden alle wichtigen Meetings statt, die für die Produktion und die Markteinführung notwendig waren. Die verantwortlichen Mitarbeiter der Bereiche Engineering und Fabrikation saßen an einem Tisch, um die Produktion des Capri reibungslos anlaufen lassen zu können. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Aussage von zwei ehemaligen Ford Mitarbeitern der Abteilung Body Engineering. Beide bestätigten unabhängig voneinander, dass die Türen (Innen und Außenbleche) in Köln entwickelt wurden.
Einige Jahre später gab es englische und deutsche Capri. Die offizielle Vorstellung fand anlässlich der Brüsseler Automobilausstellung statt. Am 24. Januar 1969 war Verkaufsstart in Deutschland, am 5. Februar in England. Die englischen Fahrzeuge aus der Fabrik in Halewood bei Liverpool machten 40% der Produktion aus. Diese Modelle wurden in die Staaten der EFTA (Europäische Freihandelszone) importiert. Die aus Köln kommenden Capri gingen in die Länder des Gemeinsamen Marktes (heute EU). Damit umging Ford geschickt die zu dieser Zeit vorhandenen Handelsschranken und ersparte den Kunden hohe Zölle.
Der Capri schlug ein wie eine Bombe. Sogar in Amerika. Die Lincoln-Mercury Händler rissen sich um ihn, und US-Kunden mussten lange Lieferzeiten in Kauf nehmen. Die amerikanische Presse nannte ihn "sexy". Für den "Kölner Stadt-Anzeiger" war es "ein Auto mit eingebautem Erfolg", für die "ADAC Motorwelt" ein Fahrzeug mit "sehr attraktivem sportlichen Aussehen". Die "Auto, Motor und Sport" verlieh ihm das Attribut "Beau de Cologne", im "Spiegel" war von einem "sportlich-rassig anmutenden Wagen" die Rede, und der "Stern" nannte, "die Mini-Mustangs aus Köln recht tolle Burschen".
Dabei sollte es gar kein Mini-Mustang werden. Bei der Entwicklung des Capri stand ganz klar die Maßgabe im Vordergrund, ihm den gleichen Innenraum zu schaffen wie ihn der Mustang aufwies. Ford USA hatte nämlich erkannt, dass der Erfolg des Mustangs in einem nicht unerheblichen Maß auf die Tatsache zurückzuführen war, dass er Platz für vier Personen bot. Also entschloss man sich, den Capri ein wenig in die Länge zu ziehen, ohne aber seine ursprünglich geplante Form zu verändern. Alles andere nahm Ford – mehr oder weniger – aus den Regalen: das Fahrgestell vom Cortina, das Interieur vom Escort, Motor und Getriebe vom Corsair.
Zu den bedeutenden und legendären Erfolgen des Ford Capri im Motorsport der 70er Jahren zählen unter anderem Dieter Glemser's Titelgewinn in der Europa-Tourenwagen-Meisterschaft und der Titel in der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft durch Jochen Mass – beide 1971. ein Jahr später gab es einen Doppelerfolg: in der Europa-Tourenwagen- Meisterschaft: Jochen Mass wurde Meister, Dieter Glemser Vizemeister. Im gleichen Jahr holte Hans-Joachim Stuck mit der beeindruckenden Bilanz von neun Siegen in zehn Rennen den Titel in der Deutschen Automobil-Rennsport-Meisterschaft.
Mit überaus großem Erfolg exportierten die europäischen Ford Gesellschaften Capri nach Australien und in die USA. In Südafrika entstanden etwa fünfhundert Exemplare eines "Perana" Capri, der – ausgestattet mit einem V8 Mustang Motor – in Rennen so konkurrenzlos stark war, dass man ihn schon nach kurzer Zeit von weiteren Starts ausschloss. Die Amerikaner und Australier bauten ihre eigenen Capri, die mit den europäischen Vorbildern nur den Namen gemeinsam, nicht aber ein weniger attraktives Design hatten.
Der europäische Ford Capri wurde zwischen 1968 bis 1986 in drei Modellgenerationen gebaut. In diesen 18 Jahren liefen in Köln, Saarlouis, Genk/Belgien und England 1.886.647 Exemplare des sportlichen Ford vom Band. Die Geschichte des Capri ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Ford Motor Company.
Das Buch erscheint am 18. Februar 2009 im GeraMond Verlag München.


